Grossfeuer

07.04.16

Im Fernsehen lief Harry Potter – "Die Kammer des Schreckens" und ich war gerade vom Fernseher aufgestanden, um im Schlafzimmer die Lichter zu löschen, als ich draußen Geräusche bemerkte, wie sie bei einem Feuerwerk entstehen. Knattern und Krachen, dazwischen ein Knaller. Ich wollte nicht nachsehen, weil ich meinen Nachbarn nicht begegnen wollte, aber als die Geräusche sich anders anhörten, als bei einem Feuerwerk, ging ich doch vor die Türe. Außerdem vernahm ich plötzlich ein Martinshorn. Das Krachen war ungewöhnlich laut. Es war wie das Splittern von Holz und weit in der Ferne durch die Büsche hindurch sah ich einen hellen Lichtschein. 

In dieser Richtung stehen mehrere Bauernhöfe, so wusste ich, aber auch Wohnhäuser und Mehrfamilienhäuser.

Wenn es so laut ist, wäre es schlimm, wenn es ein Wohnhaus ist. Das müsste schon bis auf die Grundmauern brennen. Also schloss ich auf eines der Bauernhäuser mit den angrenzenden Scheunen.

Ich schnappte mir meinen Fotoapparat und streifte mir die Jeansjacke über. Die Schwärze der Nacht umhüllte mich und während ich auf der anderen Seite des Hanges entlang der leuchtenden Straßenlaternen hinauf ging, blickte ich auf die Einstellungen der Kamera. Es schien mir unwahrscheinlich, heute Nacht fotografieren zu können, dafür war ich nicht gut genug ausgerüstet.

Ich ging auf eine Gruppe von Anwohnern zu, die an einem Feldweg standen und aus etwa 600 m Entfernung, über eine Wiese hinweg, zu einem Bauernhof schauten. Ich fragte nach, ob es sich um eine Übung der Feuerwehr handeln könne, aber das wurde verneint. Ein Großfeuer in einer der Scheunen und ich erfuhr, dass der Bauer dort Rinder hatte. Man hatte das Muhen und Schreien der Tiere gehört und hoffte, dass weder Mensch noch Tier bei dem Feuer verletzt worden waren. Die Feuerwehr war schon dort und hatte mit der Polizei den Brandherd großräumig abgesperrt. Ich blieb eine Weile bei den Anwohnern stehen und verabschiedete mich dann, um näher an das Geschehen heran zu kommen.

Über eine Treppe gelangte ich an den Rand einer Wiese, die gerade frisch gemäht worden war. Ich lief auf eine Gruppe von Apfelbäumen zu und stand vor einem Maisfeld, dass noch nicht abgeerntet war.

Ich hatte meine Jacke nicht geschlossen und das weiße T-Shirt leuchtete hell. Weil mir da doch ein wenig mulmig wurde, machte ich die schwarze Jeansjacke zu, um nicht aus der Ferne gesehen zu werden. Wer weiß, vielleicht vermutete man in mir einen Brandstifter?

Dann traten einige Leute vor die Hecke eines Hauses und ich glaubte entdeckt worden zu sein. Jetzt nicht weglaufen! Mutig schlenderte ich hinter den Bäumen hervor und ging auf die Leute zu. Ich grüßte sie freundlich und auch ich wurde freundlich begrüßt. Wir begannen über das Feuer zu sprechen. Ich erzählte ihnen, das mich meine Neugier hinausgetrieben hatte und mutmaßte etwas über die Ursache für den Brand. Ein Blitzschlag konnte es nicht gewesen sein. Vielleicht eine kaputte elektrische Einrichtung, oder ein Rußbrand in einem Kamin. Vielleicht auch nasses Heu, das, wenn es eingelagert wurde, anfängt zu gären und sich selbst entzündet.

Man sagte mir, dass dort ein Güllesilo stünde. 

Die Feuerwehr war mit einem Leiterwagen im Einsatz und man sah dicke weiße Rauschschwaden. Es schien als habe man das Feuer bereits unter Kontrolle, denn die Leiter wurde eingezogen, aber während wir miteinander über die Einsatzleute diskutierten loderten die Flammen wieder auf und plötzlich gab es einen lauten Knall. Etwas musste explodiert sein. Eine Gasflasche, ein Öltank, oder der Jauchetank.

Der Bauernhof hatte eine große Holzscheune und Rinder darinnen. Vielleicht war die auch zusammengebrochen.

Aus der Entfernung konnten wir nicht mehr wahrnehmen, als den Lichterschein des Feuers, der mal hier, mal dort rings um das Bauernhaus hochzüngelte.

Eine Weile standen wir noch dort und sahen dam schaurigen Geschehen mit Gänsehaut zu, aber als die Anwohner sich verabschiedeten, ging auch ich wieder zurück in meine Wohnung um einen Bericht zu schreiben. Ich stapfte durch das Gras und lief mit meiner Kamera wieder die Straßenlaternen entlang, ohne eine Aufnahme gemacht zu haben.

 

Am nächsten Morgen ging ich in die Redaktion und gab meinen Bericht ab. Außerdem fragte ich nach, wo die Nachtsichtausrüstung abgeblieben sei, denn ich hätte sie gestern gut gebrauchen können. Jun Ky wirkte etwas betroffen. Er gestand, dass er mit Steffen Sportwind und Burgunder Train eine Fahrrad Nachttour gemacht hatten und sie die Nachtsichtausrüstung sicherheitshalber mitgenommen hatten.

Etwas verärgert wollte ich wissen, ob sie denn auch das Feuer wahrgenommen hätten. Steffen Sportwind warf ein, dass sie wohl einen hellen Schein hinder den Bäumen des Waldes gesehen hätten, dann aber Burgunder Train und Jun Ky gerufen hätten, dass sie dort gerade einen "Freibeinigen Herrscher" gesehen hatten und sie deswegen nicht darauf zugefahren seien.

"Einen Dreibeinigen Herrscher!" rief Jun Ky.

"Es gibt keine Dreibeinigen Herrscher!" sagte Steffi Stern entschieden.

Jun Ky entrüstete sich. "Du meinst wohl ich hätte fantasiert?

"Es wäre ja nicht das erste Mal!" erwiderte Steffi

Jun Ky setzte zur Verteidigung an: "Aber Burgunder Train hat den Dreibeiner auch gesehen, die aus den Fernen des Universums auf der Erde eingefallen sind und irgendwo in den Bergen einen Stützpunkt errichtet haben!".

Steffen Windschatten räusperte sich und meinte sich vor Jun Ky und Burgunder stellen zu müssen: "Es könnte sein, dass wir alle gestern etwas zu viel Sauerstoff hatten, nachdem wir mit dem Rad unterwegs waren und es zu einer Art 'Flashback' gekommen ist. Ich meine wir sollten das Thema vorsichtig beleuchten und nicht gleich auf irgendwelchen Phantasmen herumreiten, die keinen Falls einen Bezug zur Realität haben können und Ursprung eines kranken Denkens seien!"

Jun Ky begann beinahe zu weinen: "Ich habe sie aber gesehen und du doch auch!" er wand sich an an Burgunder Train, der mit tiefer, fester und eindrucksvoller Stimme erwiderte: 

"Da stand ein Dreibeiniger Herrscher!"

Steffi Stern biss sich auf die Unterlippe. Husten Lohnsich hatte schon eine Idee, warum der da gestanden haben könnte: "Vermutlich geht es den Dreibeinern darum die politische Vorherrschaft der Frauen abzuschaffen. Das Matriarchat. Nun beginnen sie mit geheimen Aktionen, welche ihre eigene Herrschaft untermauern sollen. Da sollten wir mal ausführlich recherchieren und die Menschen, also unsere Leser, aufklären!"

Steffi bekam einen roten Kopf: "Wo willst du denn beginnen? Willst du den Jeti in den Schneebergen befragen, oder Big Foot?"

"Wenn es unser Budget erlaubt,. mache ich mich sofort Reisebereit!" antwortete Husten und sah zu Scheu Zen, die bereits heftig nickte. "Wir könnten die Mönche in Tibet befragen!"

Nach einer weiteren Stunde der Diskussionen und einer demokratischen Abstimmung erklärte sich Steffi Stern bereit, nach einem Sponsor für die Recherchen nach den "Dreibeinigen Herrschern" zu suchen. Mehr aber auch nicht.

 

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