Fussball Europameisterschaft

2012

02.07.12

Das Büro hatte sich wieder berappelt und mit einer kleinen Finanzspritze von Steffi Sterns Vater konnte unser journalistisches Zentrum noch eine Weile weiter betrieben werden.

Elfetè Körbper musste zwar im Geschäft von Herrn Stern als Modell arbeiten, aber das machte ihr kaum was aus. Man stellte ihr einen Spiegel hinter die Vorhänge und prompt war sie schneller ausgezogen als alle Profimodells, die von der Heidrun Lump GmbH & (ko)-KG geordert und angereist waren. Heidrun Lump versuchte persönlich Elfetè Körbper anzuwerben und setzte dazu wie immer eine Droge ein. Sie gab Elfetè Ko-Tropen in, mit Kokain und Heroin, gerührtem Tequilla.

Elfetè viel danach sofort um und Steffi brachte sie nach Hause. Heidrun Lump wusste nicht, dass Steffi die Tochter des Veranstalters war und konnte dagegen nichts mehr unternehmen, denn sonst wäre Elfetè wahrscheinlich für einige Tage in einem der Bordelle von Heidrun verschwunden. Sie hätte hinterher kaum noch etwas anderes machen können, als für die Lump GmbH & (ko)-KG auf dem Laufsteg laufen und sich ab und vor allem zu, den reichen Jachtbesitzern der großen Fernsehveranstalter hingeben müssen.

Da wir nun das OK für weitere Berichte hatten, machten wir uns an die Arbeit. 

Die Europameisterschaft in Polen stand an und wir beschlossen die Erfolgsserie der Weltmeisterschaften auszudehnen. Hegten wir doch die Hoffnung, dies könne der deutschen Mannschaft helfen. Ich sah es mit gemischten Gefühlen, da meine Eltern aus Portugal stammten und ich jene Mannschaft favorisierte.

Das Eröffnungsspiel erlebten wir gemeinsam in einer Pommesbude in Stuttgart, weil wir die Auflage hatten, nicht mehr alle Spiele im Stadion zu besuchen. Dies würde Steffis Vater einfach zu teuer werden.

Bei einem Kölsch sahen wir die Polen gegen die Griechen antreten. Ein, unter wirtschaftlichen Aspekten gesehen, sehr interessantes Spiel. Die Griechen standen in Europa bereits vor dem Aus, bis man ihnen einige zusätzliche Milliarden der europäischen Bankengemeinschaft in Aussicht stellte. Seit dem haben sie eigentlich nur Schwierigkeiten, der wählenden Bevölkerung zu erklären, dass das Geld zurückgezahlt werden soll und wie man es machen will. 

Die Polen sind unbeabsichtigter Weise in einen politischen Skandal hineingezogen worden, weil sie mit der Ukraine zusammen die Europameisterschaft ausrichten. Es gab auch bei uns die Frage, wie man sich in diesem Fall verhalten solle. Deswegen wollten wir uns nach dem Spiel zu einer Diskussion zusammensetzen. 

Das Spiel verlief fair und war von einem Tor gekrönt. Die Griechen konnten den Gastgebern den Marker ansetzen. Sie machten sich also weiterhin in Europa bemerkbar.

Auf meinen Vorschlag gingen wir nach dem Spiel zur Diskussion in eine Diskothek. 

Leider war es dort aber zu laut um sich zu unterhalten. Zudem waren auch wieder Leute der Lump GmbH zugegen. Die klapperten die Discos häufig ab, um nach Mädchen für die Laufstege Ausschau zu halten. Es dauerte nicht lange, da hatten Steffi und Elfetè schon wieder einen komischen Drink intus. Sie benahmen sich fürchterlich und tanzten wild herum.

Ich versuchte trotzdem die Dinge nicht aus dem Ruder laufen zu lassen und schrie unseren Reportern ins Ohr, man müsse sich auf eine Strategie zu den Geschehnissen in der Ukraine einigen. Die, etwas angeschlagene, Redaktion hat daher an diesem Abend beschlossen, die Ukraine nicht als Ausrichter von Spielen zu deklarieren und die Europameisterschaft alleine den Polen zuzuschreiben, mit durch die Polen vorübergehend annektierten Gebieten, den Stadien in der Ukraine. 

Als man uns in der Discothek anschließend die Uhren geklaut hatte, eine unbekannte Person uns angerempelte und darauf der Rausschmeißer kam, uns die Schuld dafür gab und unsanft vor die Haustür setzte, war mir klar, warum es ein Discothekensterben gibt. Die sind einfach viel zu laut - man kann sich dort nicht mehr unterhalten.

Wegen diesen Vorkommnissen waren wir nicht in der Lage gewesen, das Spiel Russland gegen Tschechien zu verfolgen. Ich erfuhr später, dass die Russen mit einem überragenden 4:1 Sieg gewonnen hatten.

Fast ohne Schlaf gefunden zu haben, ging es in den nächsten Tag der Europameisterschaft. Elfetè und Steffi fanden in ihren Hosen je ein Kärtchen der Lump GmbH mit einer Einladung zu kostenlosen Modeschauen mit freien Getränken, warfen diese aber sofort in den Müll.

Dänemark trat gegen Holland an. Wir sahen das Spiel in den Räumen unserer Redaktion. Ich saß leider ein wenig hinter der Palme und konnte nicht alle Spielzüge sehen, aber es schien mir, als wenn die Holländer das bessere Spiel abgegeben hätten. Doch auf einmal brachten die Dänen einen Mann nach vorne und schlenzten den Ball durch die Beine des Torhüters.

Da beide Mannschaften in unserer Gruppe spielen, war dies natürlich ein wichtiges Spiel für die Holländer, die sich gegen die Deutschen erst noch behaupten mussten. Sie setzten also alles daran, einen Ausgleich herbeizuführen, doch es gelang ihnen nicht.

Etwas über eine Stunde später, wir hatten gerade einige Pizzen in die Redaktion bringen lassen, wurde das Spiel Deutschland gegen Portugal im "polnischen Lemberg Stadion" angepfiffen.

Ich hoffte auf ein Unentschieden und nach einer torlosen ersten Halbzeit war ich guter Laune, während meine Kollegen sich über die verpassten Chancen der deutschen Mannschaft aufregten. Jedoch in der zweiten Halbzeit fielen meine Gesichtszüge deutlich herab, als Gomez mit einem glanzvollen Treffer den Ball ins Tor des Gegners brachte. Portugal mühte sich redlich, scheiterte aber an dem Abwehrblock der Deutschen und verpasste eine klare Chance, als der Ball überraschend vor die Beine eines Spielers kam, der frei vor dem deutschen Tor stand.

Nach dem Spiel hörten wir die ersten Autokorsos und wir gingen gemeinsam zu einem Feuerwehrfest, auf dem der Sieg ausgelassen gefeiert wurde. 

 

Am Sonntag fand eine Besprechung statt und ich legte meinen Bericht der ersten vier Spiele vor. Statt gelobt zu werden, erhielt ich eine Zurechtweisung. Steffi Stern fuhr in ihrem Sessel auf und hob das Kinn, während sie mich laut ansprach: "Meinst du eigentlich, dass du mit diesen Bericht durchkommst? Das, was du da schreibst, ist doch alles willkürlich erfunden. Heidrun Lump GmbH & (ko) KG ist einer der Finanziers von Organisationen im Kampf gegen die Drogen und setzt sich für Menschen ein, die in Ihrem Leben an Drogen gekommen sind. Sie hilft den Gestrauchelten persönlich, wieder auf die Beine zu kommen und hat niemals irgendwelche Getränke verteilt, die mit bewusstseinshemmenden Mitteln gestreckt waren. Das existiert lediglich in deiner Einbildung, Jun Ky. Wahrscheinlich bist du neidisch und fühlst dich benachteiligt, weil du nicht von Heidrun beachtet worden bist. Aber lass dir sagen, sie hat sogar nach deiner Karriere nachgefragt und als sie hörte, dass auch du schon einmal in Kreisen verkehrtest, die sich mit illegalen Mitteln betäuben, hat sie angeboten, dein Gehalt auf ein Jahr zu bezahlen. Und die Karten haben wir weggeworfen, weil wir zur Zeit mit der redaktionellen Arbeit beschäftigt sind."

Ich war mit einem Mal aller meiner grundlegenden Einstellungen gegen das System von Heidrun beraubt. "Wenn ich tatsächlich fantasiert haben sollte, tut es mir leid!" sagte ich und Burgunder Train drückte mich, mit der Hand auf der Schulter, wieder auf meinen Sitzplatz, da ich unvermittelt aufgestanden war. "Wir können seine Auslassungen trotzdem verwenden." sagte er. "Wir schreiben einfach dazu, dass es sich um reine Erfindung handelt. Bei der Weltmeisterschaft hatten wir doch auch so ein ähnliches Problem. Damals dachten wir sogar an Mord!" Im Raum wurde ein Gemurmel laut. Einige erinnerten sich an das Geschehen und erklärten es den Kollegen.

"Also gut. Meinetwegen soll Jun Ky die Leitung der ersten Runde behalten, aber Burgunder Train bleibt von nun an seiner Seite und ihr beratet euch, bevor ihr einen Bericht vorlegt, klar?" diktierte Steffi. Ich verzog die Mundwinkel, nahm es aber mit einem Nicken auf.

Tatsächlich war ich in der Szene einmal abgestürzt, hatte eine Entziehungskur und psychiatrische Aufenthalte hinter mir und ich nahm immer noch die Medikamente, die mir vom Arzt verschrieben wurden. Sogar eine Spritze mit Morphium konnte ich mir gelegentlich abholen, wenn es wieder ganz schlimm wurde, mit meinen Phantasien. Deswegen beschloss ich auch gleich morgen meinen Arzt aufzusuchen und ihn nachzufragen, was man da machen solle. 

Doch zunächst folgten die Sonntagsspiele: Spanien gegen Italien und Irland gegen Kroatien.

Die gewandten Italiener zeigten sich von Ihrer besten Seite. Mal geradlinig durch die Mitte, dann wieder schachernd von einer Seite zur anderen und sie kamen damit zum ersten Treffer in diesem Spiel. Aber schon fünf Minuten später zeigten die Spanier einen Siegeswillen, der eine Niederlage gar nicht zulässt. Nach diesem Schlagabtausch schien man sich auf dem Spielfeld nicht mehr in die Karten blicken lassen zu wollen. Den Ball halten und vor allem den Gegner nicht im eigenen Strafraum agieren lassen. Ein klassisch schönes Spiel auf beiden Seiten, das mit dem 1:1 ein gerechten Ausgang fand.

Die Irländer hatten gegen die Kroaten einen schweren Stand. Gleich in der 3. Minute kassierten sie ein Tor, konnten aber in der 19. Minute ausgleichen. Danach fehlte den Iren das spielerische Geschick, um die Niederlage abzuwenden. Die Kroaten schossen noch zwei Mal ein und setzten sich mit einem 3:1 Erfolg an die Spitze dieser schweren Gruppe.

 

Am Montag begab ich mich zu meinem Hausarzt Dr. Adrian, mit dem ich inzwischen genauso gut reden konnte, wie mit einem Psychologen. Er kannte mich, meine Ansichten und meine Gewohnheiten. 

Zu Beginn erklärte ich ihm, was ich gesehen hatte und welche Schlussfolgerungen ich daraus gezogen hatte, dann sagte ich ihm, dass ich mir viel zu sicher gewesen sei, als ich meinen Bericht tippte und gar nicht daran dachte, dafür ermahnt oder abgelehnt zu werden. Er horchte mir genau zu und verstand mein Problem. Freundlich erklärte er, dass er mir eine Spritze zur Beruhigung geben wolle und sprach dann von seinen Erkenntnissen und Erfahrungen, die auch mit Frau Lump zusammen hingen.

Er erzählte, viele Menschen hingen von den Geschäften ab, die mit den Modells gemacht wurden. Darunter seien auch Rechtsanwälte und Ärzte. Die Mädchen würden schließlich irgendwann in teuren Appartements wohnen wollen und diese würden von den Ärzten und Rechtsanwälten zur Verfügung gestellt. Eine Tochterfirma aus einer GmbH der Lump`s und den Verwandten von Ärzten und Rechtsanwälten betrieben zum Beispiel ein Maklerbüro für teure Immobilien.

Was die Mädchen dann mit Besuchern in ihren Räumen machen würden, ginge eigentlich keinen etwas an. Wichtig sei nur, dass sie das Geld für ihre hohen Ausgaben heranschaffen würden. Klar sei natürlich, dass die Lump`s die Mädchen zunächst einmal an hochpreisige Verhaltensformen gewöhnen würden und dann gäbe es einige Damen, welche die Kosten nicht mehr durch das Laufen auf dem Laufsteg decken könnten. Davon wiederum würden sich die Mehrzahl der Mädchen mit Geschäften und Praktiken aus dem Hurenmilieu einen Nebenverdienst schaffen, aber wenn man davon erführe, würde man sie, ebenso wie bei Drogenproblemen zu einem Arzt oder Rechtsanwalt schicken, der alle, sich daraus ergebenden gesundheitlichen, oder rechtlichen Fragen klären würde.

Doch um bei seinem Metier zu bleiben, in dem er sich nachweislich besser auskenne, plauderte er weiter, eine Branche sei entstanden, die bis hinunter zu Krankenschwestern und sogar zu den Heilpraktikern vom Konsum der reinen und genau bemessenen Medikamente leben, die den Mädchen zugeführt werden sollten und zur Beibehaltung der Rechte und Verpflichtungen dienten, die sich aus ihren geschlossenen Verträgen ergeben. Inzwischen seien sogar Altenpfleger und Masseure eingebunden und man sei in der glücklichen Lage, viele der Patientinnen mit Angeboten der Krankenkassen zu versorgen. Schließlich seien die meisten Frauen selbständig und gut versichert.

Dann sprach er in hypnotisierendem Tonfall, ich solle nun die Augen schließen, alles vergessen, was er mir gerade erzählt habe und mit niemanden darüber sprechen. Wenn mich jemand nach dem Gespräch fragen würde, solle ich ihm sagen, er solle selber vorbeikommen und Dr. Adrian fragen was los sei. Er entließ mich.

Ohne weiter darüber nachzudenken ging ich zurück an meine Arbeit.

Am Abend traf ich mich mit Burgunder, um über die Spiele Frankreich gegen England und Ukraine gegen Schweden zu berichten. Ich war in bester Laune. Die Berichterstattung ging mir mühelos von der Hand und ich bemerkte wie erstaunt Burgunder darüber war. Aber auch er gab sich große Mühe und wir bildeten ein großartiges Team.

England setzte sich in der ersten Halbzeit erfolgreich durch. In der 30. Minute fiel das Tor. Frankreich kam aber mit einem Gegenzug gleich in der 39. Minute zum Ausgleich. Die zweite Hälfte verlief ausgeglichen und ähnlich wie im Spiel Italien gegen Spanien, trennten sich die beiden Mannschaften mit einem zufriedenstellenden, weil durchaus ausgeglichenen Kräftemessen, mit einem 1:1.

Gegen 20:00 Uhr stellten wir uns mit ein paar Chips, die ich schnell besorgt hatte, auf das Spiel Ukraine gegen Schweden im "polnischen Kiew Stadion" ein. Und wir sahen das bislang kämpferischste Spiel dieser Endrunde.

Waren die Schweden in der ersten Halbzeit noch ein Gegner für die Ukrainer, zeigten diese aber bald, dass sie sich ein Unentschieden im annektierten Stadion nicht leisten konnten. Nach einer Torlosen ersten Halbzeit, setzten die Schweden einen Treffer, der zu einem rasanten und wild aufbrausendem Sturm gegen die Skandinavier führte. Der Ausgleich gelang in der 55. Minute und mit einem Tor, das sich sehen lassen konnte setzte Shevchenko auch den Führungstreffer. Er köpfte den Ball zwischen einem schwedischen Abwehrspieler und dem Torpfosten in eine Lücke von wenigen Zentimetern. Unhaltbar für den Torwart und eine Augenweide für jeden Zuschauer. 

Burgunder und ich gingen zufrieden nach Hause.

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Sportwind

Autor:

Jun Ky Quelle

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Steffen Kaphahn